The Mermaid
Die Meerjungfrau
Eine Seeleute-Ballade über Sturm, Schicksal und eine verhängnisvolle Begegnung mit einer Meerjungfrau
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Traditional · Arranged & performed by Mat Williams · © ClassicRocks
Text & Übersetzung
| English | Deutsch |
|---|---|
| Twas Friday morn when we set sail | Es war ein Freitag Morgen, als wir die Segel setzten |
| And we were not far from the land, (ahoy!) | und wir waren noch nicht weit entfernt vom Land (ahoy!) |
| When the captain, he spied a lovely mermaid | Als der Kapitän eine Meerjungfrau erspähte |
| With a comb and a glass in her hand. | mit einem Kamm und in ihrer Hand ein Glas |
| Chorus | Refrain |
| O the ocean’s waves will roll | Oh die Wellen des Ozeans brausen |
| And the stormy winds will blow, | und der strenge Wind bläst |
| While we poor sailors go skipping to the top | während wir armen Seeleute in die Höhe klettern |
| And the landlubbers lie down below, below, below, | und die Landratten bleiben unten, unten, unten |
| The landlubbers lie down below. | die Landratten bleiben unten, unten, unten |
| And up spoke the captain of our gallant ship | Da sprach der Kapitän unseres prächtigen Schiffes |
| And a well-spoken man was he, (I say!) | und er war ein wortgewandter Mann (Das sag ich!) |
| I have me a wife in Salem by the sea | Ich habe eine Frau in Salem, an der Küste des Meeres |
| And tonight she a widow will be. | und in dieser Nacht wird sie zur Witwe werden. |
| Chorus | Refrain |
| Then up spoke the cabin boy, of our gallant ship, | Dann sprach der Schiffsjunge unseres prächtigen Schiffes |
| And a nasty little lad was he, (oi, oi!) | und das war ein frecher, kleiner Junge (oi, oi) |
| I’m not quite sure if I can spell ‘mermaid’ | 'Ich weiß nicht, ob ich Meerjungfrau schreiben kann, |
| But I’m going to the bottom of the sea. | aber ich werde auf dem Grund des Ozeans enden |
| Chorus | Refrain |
| Then three times around went our gallant ship, | Dann drehte sich unser Schiff dreimal im Kreis |
| And three times around went she (oh no!) | und dreimal drehte sie sich (oh nein!) |
| Three times around went our gallant ship | dreimal drehte sich unser Schiff im Kreis |
| And she sank to the bottom of the sea. | und sank auf den Grund des Ozeans |
| Chorus | Refrain |
Traditioneller Text · Public Domain · Arrangement © Mat Williams / ClassicRocks.
Many and varied are the versions of this song: some long, ballad-like and sorrowful, some like this - cheerful, short and not making a lot of sense. There is no real story to it at all. Maybe the narrative got lost in the pub where this version obviously belongs.
It does have a lot of the common features of most sea songs though - the ones that aren’t about pirates or battles, that is - in that very soon up pops a mermaid. There are lots of half-and-half creatures in folklore and travellers tales on land as well as at sea. Werewolves and the eerie “selkie” legends of the Scottish islands are shape-shifters rather than permanent, as the mermaid is, but half-and-half nonetheless.
So popular was the idea of the mermaid that it appears in all sorts of unrelated places, Elizabethan needlepoint for example, where she floats in mid-air with three blue wavy lines underneath her to indicate the sea. She is a vacant-faced creature, holding a comb and a glass at unnatural angles; not very alluring.
Being alluring was the mermaid’s job really. Whether she is a siren or Lorelei, singly or in multiples, she was there to lure ships on the rocks where they were wrecked. This is one of the explanations this version leaves out. Maybe you are just meant to know.
There is supposedly a real origin for the mermaid - the dugong or manatee, which does sometimes rear itself half out of the water. It is an unlovely creature and the sailors who reported it as a beautiful maiden must have been very drunk or blinded with sea-spray.
The captain of the ship recognises his fate in this terrible storm, but typically announces it obliquely.
“I have me a wife in Salem by the sea
And tonight she a widow will be.”
Not: “I am going to die tonight”. This may be one of the hundreds of superstitions connected with the sea; that it is unlucky to say the word “die”. It was thought in many cultures that to mention the name of something was to invite it. Very often malevolent beings were called the exact opposite in order not to attract attention. The ancient Greeks called The Furies “The Kindly Ones” in the hope of eluding them. The sea has always given birth to superstitions (like the weather and harvest in “John Barleycorn.”) and no wonder. The power and unpredictability of the sea was terrifying, pitched against a cockle-shell of a fishing boat or a full-sailed man-o’-war. Some superstitions do not seem to make much sense though. The tradition that sailors do not learn to swim because THEN THEY WILL NEVER NEED TO lacks a certain logic, but then, so does a storm at sea. Any way of behaving that gives the illusion that you have some control over the uncontrollable is comforting. Not for nothing was the sea called “the old grey widow-maker.”
We then hear an unusual verse about the nasty little cabin-boy, unusual because cabin boys were generally a good thing in an Artful Dodger sort of way - cheeky, heroic, even prayerful: at least, in songs about the sea they were. It makes a change for him to be a little horror. He goes to the bottom of the sea, which presumably serves him right.
The last verse occurs in many death-at-sea ballads. Ships always go round three times. Three is a magic number of course - three wishes, three sons etc. I’m never quite sure whether the repetition is to drive the image home or whether it is cumulative in which case the ship would go round nine times .... never mind. Nine is also a magic number (three times three) and in a version as cheerful as this, who’s counting?
Zahlreich und unterschiedlich sind die Versionen dieses Folksongs: Einige sind lang, balladengleich und sorgenvoll, andere sind kurz und vergnügt - wie unsere Version - und sie scheinen nicht viel Sinn zu ergeben. Es gibt keine Geschichte an sich. Vielleicht ist der erzählerische rote Faden auch in den Pubs verlorengegangen, also da, wo der Song eigentlich hingehört.
Dennoch hat es viele Gemeinsamkeiten mit anderen Seemannsliedern - denen, die nicht von Piraten oder Schlachten erzählen - hierzu gehört, dass sehr oft Meerjungfrauen auftauchen. Es gibt eine Menge solcher halb-und-halb Kreaturen in der Folklore, zur See und an Land. Werwölfe und die Eerie “Selkie” Legenden der Schottischen Inseln verändern ihre Gestalt und sind nicht permanent "halb-und-halb." Permanente halb-und-halb Kreaturen und Götter kennen wir hingegen schon aus der griechischen Mythologie.
So populär ist die Idee der Meerjungfrau, dass sie an allen möglichen Orten auftaucht. Sie ist ein gesichtsloses Wesen, das meist einen Kamm hält und ein Glas, oft in unnatürlichen Stellungen; eigentlich nicht besonders verführerisch.
Dabei ist es der eigentliche Job der Meerjungfrau, verführerisch zu sein. Ob sie eine Sirene ist oder Loreley, alleine oder in Mehrzahl, sie war immer da, um Schiffe zu den Felsen zu locken, an denen diese dann zerschellten. Dies ist eine der Erklärungen, die diese Version ausläßt. Vielleicht, weil man die Zusammenhänge einfach als bekannt voraussetzt.
Vermutlich gibt es eine tatsächlich existierende Vorlage für die Meerjungfrau - die Seekuh, die sich manchmal zur Hälfte aus dem Wasser erhebt. Es ist eine wenig liebliche Kreatur und Seemänner, die den Anblick mit einer wunderschönen Jungfrau assoziieren müssen sehr betrunken gewesen sein oder geblendet von der Gischt.
Der Kapitän des Schiffes erkennt sein Schicksal und verkündet es in üblicherweise verklausulierter Form.
“I have me a wife in Salem by the sea
And tonight she a widow will be.”
“Ich habe eine Frau in Salem, an der Küste des Meeres
und in dieser Nacht wird sie zur Witwe werden.”
Also nicht: “Ich werde heute Nacht sterben”. Dies mag eines sein von hunderten Formen des Aberglaubens, der mit dem Meer verbunden ist; dass das Wort “sterben” Unglück bringt und man es daher nicht ausspricht. In vielen Kulturen meint man, einen Namen auszusprechen, bedeutet, denjenigen einzuladen. (Anmerkung: Das Konzept findet sich selbst bei Harry Potter noch wieder: Lord Voldemort, der dunkle Lord, wird zu "dem, dessen Name nicht genannt werden darf"). Oft wurden übelwollende Wesen genau gegenteilig benannt, um sie nicht anzulocken. Die alten Griechen nannten die Furien “Die Freundlichen”, um sie nicht anzulocken. Das Meer hat stets Aberglaube hervorgebracht (wie auch das Wasser und die Ernte in “John Barleycorn”). Kein Wunder: Die Macht und Unvorhersehbarkeit des Meeres waren erschreckend, wenn es gegen die Nussschale eines Fischerbootes schlug oder geegn ein voll ausgerüstetes Kriegsschiff. Mancher Aberglaube hingegen erscheint keinen Sinn zu ergeben. Die Tradition, dass Seeleute nicht Schwimmen lernen, weil sie das dann niemals brauchen, entbehrt einer gewissen Logik, aber das tut auch ein Sturm auf hoher See. Jede Art von Verhalten, welche die Illusion verleiht, man habe irgendeine Kontrolle über das Unkontrollierbare, scheint beruhigend. Nicht umsonst nannte man das Meer “den alten grauen Witwenmacher.”
Wir hören dann ungewöhnliche Verse über den kleinen, frechen Schiffsjungen, unüblich deshalb, weil Schiffsjungen üblicherweise etwas Gutes darstellten in einer an Artful Dodger angelehnten Weise - vorlaut, heroisch, selbst andächtig: Zumindest in Seemannsliedern. Es bedeutet also eine Veränderung zu sein, eine kleine Nervensäge zu sein. Er sinkt an den Grund des Meeres und wahrscheinlich geschieht im das recht.
Die letzte Strophe in vielen Tod-zur-See Balladen: Schiffe drehen sich stets dreimal um sich selbst bevor sie untergehen. Drei ist natürlich eine magische Zahl - drei Wünsche, drei Söhne u.s.w. Man weiß nicht genau, ob die dreimalige Wiederholung der Zeile dazu dient, das Bild in den Kopf zu hämmern oder ob es kumulativ zu verstehen ist, dass sich das Schiff also neunmal dreht vor dem Untergang .... egal. Neun ist ebenfalls eine magische Zahl (drei mal drei). In einer so fröhlichen Version wie dieser - wer zählt da schon mit?
Commentary written by Gillian Goodman · © ClassicRocks / Mat Williams
📜 Geschichte & Hintergrund